Kein Open-Government Data Portal in Deutschland!?

Rund um die von Fraunhofer FOKUS, im Auftrag des BMI entwickelte, sogenannte Open-Government Data Plattform Deutschland ist Streit entbrannt. Grund sind die eigens dafür entwickelten Lizenzen, die unter anderem die nicht-kommerzielle Weiterverarbeitung der Daten ausschließen und so nicht den Ansprüche der Open-Definition genügen…

Closed-Data Portal?

Nachdem ich mich vor wenigen Wochen im Bezug auf die Open-Government Data Plattform für Deutschland noch recht zuversichtlich gezeigt habe, muss ich mich nun der gerechtfertigten Kritik an der derzeitigen Lizenz-Planung anschließen und dem Open-Data Lizenzmodell des BMI die bewusste “inhaltlichen Entwertung des Begriffes Open Data” unterstellen. Doch fangen wir vorne an…

Seit Monaten arbeitet das Fraunhofer FOKUS Team an einem Prototypen für eine zentrale Open-Data Plattform in Deutschland, die in einer ersten Version im Februar diesen Jahres gelauncht werden soll. Über dieses Web-Portal sollen in der Theorie – und so impliziert es auch der Name – offene Datensätze durch Kommunen, Länder und den Bund maschinenlesbar der Öffentlichkeit bereit gestellt werden. Soweit so schön, nach jetzigem Kenntnisstand wird dies so leider nicht geschehen.

Open-Data mit Closed-Lizenzen?

Wie in dieser Woche bekannt wurde, setzt die Plattform nicht auf etablierte Lizenzen wie beispielsweise CC0 oder ODbL, sondern präferiert zwei eigene, sogenannte Datenlizenzen Deutschland. Während eine der Lizenzen nur Namensnennungen verlangt, untersagt die andere Lizenz eine kommerzielle Nutzung der Daten und verstößt auf diese Weise gegen die Open-Definition. Die ehemals als Open-Government Data Portal geplante Plattform wird so zu einem reinen Daten-Archiv. Auf Github wurde vor diesem Hintergrund eine umfangreiche Diskussion gestartet.

Für Kritiker diesen Vorgehens, darunter auch Stefan Wehrmeyer von der Open Knowledge Foundation Deutschland und Mathias Schindler von Wikimedia Deutschland, ist strittig, ob das Open im Titel des Portals nicht in die Irre führt. Weiterhin sehen sie die Gefahr, dass mit dem Angebot von NC-Lizenzen von vornherein ein falscher, weil nicht-offener Weg eingeschlagen wird:

Die eigentliche Hürde zur Teilnahme von Dritten, z.B. Behörden, ist bereits die Entscheidung zur grundsätzlichen Teilnahme, nicht die Frage einer freien oder unfreien Lizenz. Es handelt sich hier um die Annahme, dass es Behörden gibt, die bereit zur Freigabe von Inhalten unter -nc-Lizenz, aber nicht zur Freigabe von Inhalten unter freier Lizenz sind. Diese Diskussionen hatten wir haargenau bei Europeana und auch bei der Deutschen Digitalen Bibliothek. Es gibt diese Entitäten schlichtweg nicht. Richtig ist, dass sich deutlich mehr Einrichtungen weigern, Inhalte unter freier Lizenz herauszugeben, wenn man ihnen die Wahl zwischen einer freien und einer unfreien Lizenz lässt. Lektion daraus ist: Wer unfreie Lizenzen als Option anbietet, hat am Ende weniger, nicht mehr Datensätze.
Mathias Schindler (Links wurden im Nachhinein eingefügt, JB)

What’s wrong with Non-Commercial?

Das BMI in Person von Frau Dr. Helene Groß hat derweil auf die Kritik reagiert und das geplante Vorhaben verteidigt. Im Bezug auf die NC-Lizenz heißt es unterhalb der offiziellen Stellungnahme von Jens Klessmann auf dem Fraunhofer Blog:

Wir haben gerade über den vor allem auf GitHub diskutierten Aspekt „Nicht-kommerziell“ auch viel diskutiert, sind aber – nach Gesprächen in der Arbeitsgruppe „Recht“ des Projekts und mit vielen potentiellen Datenbereitstellern – zu dem Ergebnis gekommen, dass der Nutzen einer solchen Lizenzvariante zum jetzigen Zeitpunkt(!) überwiegt.
Dr. Helene Groß

Es ist demnach kein Einlenken in Sicht und auch die Frage, warum das BMI und Fraunhofer nicht auf bereits etablierte Lizenzen zurückgreifen steht weiterhin unbeantwortet im Raum. Zu hoffen bleibt, dass die Projektleiter des Open-Government Data Portal Deutschland bis zum offiziellen Start der Plattform die Expertise von Open Knowledge Foundation und Wikimedia anerkennen und auf deren konstruktive Kritik in angemessener Art und Weise reagieren. Fakt ist und bleibt: Auf Basis von NC-Lizenzen lässt sich kein Open-Data Portal aufbauen!

Non-Commercial vs. Open-Data – Der unterschwellige Erfolg von und die relativ hohe Verbreitung von NC-Lizenzen bewegt immer mal wieder Menschen und Organisationen dazu, sich mit dieser Kontroverse zu beschäftigten. Einige weiterführende Links habe ich im Folgenden zusammengetragen:

Commercial Rights Reserved (Creative Commons)
Consequences, risks and side-effects of the license module “non-commercial use only” (Open Knowledge Foundation)
Leitfaden zu den Folgen, Risiken und Nebenwirkungen von NC-Lizenzen (Wikimedia)

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  1. Pingback: Linksammlung zum GovData-Portal der Bundesregierung

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