Open-Access in Deutschland: Deutsche Digitale Bibliothek

Freier Zugang zu Kunst, Kultur und Wissen ist eines der zentralen Anliegen unserer Zeit. Mit der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) folgt Deutschland nun einem europäischen Trend und vernetzt seine Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen untereinander und versucht deren Inhalte durch umfangreiche Metadaten eindeutig identifizier- und auffindbar zu gestalten.

Demokratisierung von Kunst, Kultur & Wissenschaft

Seit 2007 arbeiten Bund, Länder und Kommunen gemeinsam an dem Vorhaben, für dessen Umsetzung die Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) und das Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur in Karlsruhe zuständig sind. Nach fünf Jahren Planung, Entwicklung und fachkundiger Aufbereitetung existiert mit der DDB nun eine zentrale Schnittstellen zu Kultur und Wissen in Deutschland.

Nach dem Vorbild des Europeana Projekts, soll diese den “Zugang zum kulturellen und wissenschaftlichen Erbe Deutschlands öffnen und Millionen Bücher, Archivalien, Bilder, Skulpturen, Musikstücke und andere Tondokumente, Filme und Noten” miteinander vernetzen und als übergreifender Metadaten-Aggregator und Suchmaschine (in direkter Konkurrenz zu Google Books) der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Seit gut drei Wochen kann das Portal in seiner Beta-Version getestet werden…

Mit der DDB soll Deutschland seine Anschluss- und Wettbewerbsfähigkeit in Wissenschaft, Forschung und Bildung sichern, aber auch sein einzigartiges kulturelles Erbe und Wissen für jedermann komfortabel über einen zentralen Anlaufpunkt zugänglich machen. Durch die zentrale Zugänglichkeit, also indem an jedem PC-Arbeitsplatz mit Internetanschluss unabhängig von Ort und Zeit Zugang zur gesamten erforderlichen Information geschaffen wird, werden die Recherchemöglichkeiten in Forschung, Lehre und Wirtschaft grundlegend verbessert.
Deutsche Digitale Bibliothek

Deutsche Digitale Bibliothek: Zugang ja, Nutzen nein

Oberstes Ziel der DDB ist hierbei die Demokratisierung von Kunst, Kultur und Wissenschaft. Und gerade weil dieses hehre Ziel durchaus unterstützenswert ist, gilt es die Beta-Phase zu nutzen und auf existierende Probleme und Fehler aufmerksam zu machen:

  1. Lizenzprobleme
    Freier Zugang zu Kunst, Kultur und Wissen ist nur ein erster Schritt auf dem Weg zu wirklichem Open-Access. Laut der Open-Definition ist etwas erst wirklich offen, wenn es von jedermann frei benutzt, weiterverwendet und geteilt werden kann. Dies wird durch die restriktive Lizenzpolitik der DDB allerdings unverständlicher Weise ausgeschlossen. Das Beispiel Europeana zeigt, dass es durchaus möglich ist die Inhalte unter CC0 zu lizensieren!
  2. Fehlende Datenlieferanten
    Bisher sind 5,6 Millionen Datensätze von 90 Einrichtungen in der DDB erfasst, was nur einem Bruchteil des kulturellen und wissenschaftlichen Erbes Deutschlands entspricht. Insbesondere fehlen hier noch Universitäten, deren Anbindung aufgrund bereits existierender Open-Access Infrastukturen ja eigentlich keine größeren Probleme bereiten sollte. Dennoch sind die Georg-August-Universität Göttingen und die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg bisher die einzigen beiden vertretenen Universitäten. Um die Plattformnutzung attraktiver zu gestalten, sollte hier in naher Zukunft nachgebessert werden.
  3. Fehlende Exportfunktionen
    Sicherlich mit den oben beschriebenen Lizenzproblemen zusammenhängend, existieren zum jetzigen Zeitpunkt keine Schnittstellen zur Datennachnutzung für Endanwender. Zwar sollen Inhalte in Zukunft auch über eine API erreichbar sein, einfache Exportfunktionen in maschinenlesbare, offene Datenformate oder die Möglichkeit der Anbindung von Literaturverwaltungen existieren bislang allerdings nicht.
  4. Fehlende Kollaboration
    Alle Inhalte werden zur Zeit von Experten mit Metadaten versehen, was aufgrund des enormen Umfangs der DDB allerdings als nicht wirklich zielführend gewertet werden kann. Nutzern sollte es erlaubt sein, mindestens die Metadaten von Objekten mit unzureichend versehenen Beschreibungen und Normdaten selbst zu verbessern.

Es bleibt zu hoffen, dass die Deutsche Digitale Bibliothek diese Mängel in nicht allzu ferner Zukunft beheben kann und das Projekt mit neuem Schwung und echtem Open-Access Ansatz aus der Beta-Phase führt. Ich drücke die Daumen und stelle mich auch gern in beratender Form zur Verfügung!

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. OT: Die Schreibung “Open Data-Enthusiast” in den persönlichen Angaben ist nicht so gut lesbar, besser wäre “Open-Data-Enthusiast”, denn “Open” und “Data” sollten nicht weniger stark gekoppelt sein als “Data” und “Enthusiast”. Du bist kein “offener Datenenthusiast”, sondern ein “Offene-Daten-Enthusiast”. Oder?

  2. Pingback: Warum ich Wikipedia-Artikel schreibe - Funkblockade

  3. Pingback: Open access in Germany: a report on the work of the Deutsche Digitale Bibliothek (DBB) | openingscience.org

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