Open-Data Kritik: Warum das Open-Movement ein Witz ist

Nach ihrer medienwirksamen Kritik an der in Entwicklung befindlichen GovData-Plattform des Bundes steht die “Open-Data-Community Deutschland” nun selbst in der Kritik. Einige werfen ihr Naivität und Instrumentalisierung durch Politik und Wirtschaft, andere das starre Beharren auf Dogmatismen vor. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen…

Microsoft vs. Open-Data-Movement?!

Wenige Tage nachdem der von vielen Vertretern der “Open-Data-Community Deutschland” unterzeichnete offene Brief für offene Daten veröffentlicht und die darin enthaltene Kritik an verschiedenen Stellen im Netz diskutiert wurde, entwickelt sich eine neue Diskussion über den Sinn der gemeinsamen Erklärung und ob sich diese eventuell als Bärendienst für die zukünftige Zusammenarbeit von NGOs und öffentlicher Verwaltung herauskristallisieren wird.

Absender des Vorwurfs ist Thomas Langkabel, seines Zeichens National Technology Officer bei Microsoft Deutschland, der in seinem Artikel Die GovData-Entrüstung… ein Bärendienst? für das Government 2.0 Netzwerk Deutschland auf reichlich polemische Art und Weise versucht, der begründeten Kritik am GovData-Portal den Wind aus den Segeln zu nehmen und gleichzeitig die propagierte Einigkeit der “Open-Data-Community Deutschland” infrage zu stellen.

Besonders interessant ist das in meinen Augen aufgrund zweier Dinge:

  1. In seiner Funktion als National Technology Officer verantwortet Langkabel die Technologie-Vision und -Strategie von Microsoft mit Schwerpunkten auf Cloud-Computing, Open-Government und Sicherheit in Deutschland. Wenn er in seinem Artikel also von “dogmatischen Maximalansprüchen” der sogenannten Open-Data-Community redet und sie auffordert “mit etwas mehr Gelassenheit an die Bewertung des GovData Portals” zu gehen, dann tut er dies in erster Linie nicht als ein sich selbst reflektierender Open-Data-Enthusiast sondern (höchstwahrscheinlich) als Vertreter eines Unternehmens, das Open-Data nicht als Möglichkeit für mehr Partizipation, sondern als Türöffner für Business-Lösungen sieht.
  2. Langkabels Kritik steht in krassem Widerspruch zu der Art von Kritik wie sie (mitunter ebenfalls recht überzogen) an anderen Stellen mehr oder weniger prominent erhoben wird. So wird den, mit Regierungsstellen und Vertretern der öffentlichen Verwaltung zusammenarbeitenden NGOs und Privatpersonen vielfach vorgeworfen, sich von Politikern und Wirtschaftsvertretern übers Ohr hauen zu lassen. Chemiker, Software-Entwickler und Openness-Kritiker Tom Slee hat diese Kritik am Beispiel kanadischer Politik und Code for Amer­ica ausführlich beschrieben und auch Lorenz Matzat hat sich im Freitag bereits 2011 unter dem Titel Spielzeug statt Infrastruktur im Bezug auf Apps für Deutschland kritisch über die politische Inszenierung von Offenheit geäußert: “[…] es gibt eben auch keine guten Gründe, zusammen mit dem Innenministerium einen Wettbewerb zu starten […]”

Openness aktiv einfordern!

Ich für meinen Teil halte den Not your GovData-Vorstoß, zu dessen Erstunterzeichnern neben Vertretern der Open Knowledge Foudation Deutschland, Wikimedia Deutschland und Creative Commons Deutschland auch Mitglieder von Digitale Gesellschaft, Netzpolitik.org und Chaos Computer Club gehören, sowohl inhaltlich, als auch formell für sehr gelungen* und freue mich insbesondere über die Breite des Bündnisses.

Open-Data stellt eben nicht nur technische Ansprüche sondern gleichermaßen auch politische. Aus diesem Grund ist es, wie im vorliegenden Fall, zwingend erforderlich auf Missstände hinzuweisen. Denn wie Joichi Ito richtig bemerkte ist Offenheit eine Gefahr für geschlossene Dinge und muss deshalb aktiv eingefordert werden. Das ist Partizipation!

*Disclaimer – der Autor ist Mitunterzeichner des offenen Briefs für offene Daten.

Teaser-Bild via daten.berlin.de

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